Verdichten, Umnutzen, Aufwerten

Leitthema: Bauen und Wohnen 2020

Auf der BAU 2017 wird die Zukunft der Stadt unter dem Titel „Bauen und Wohnen 2020”- eines der vier Leitthemen der Messe - verhandelt. 400.000 neue Wohnungen werden bis 2020 in Deutschland benötigt. Eines der Schlüsselworte auf diesem Weg ist Verdichtung. Die Chancen liegen im Bauen in die Höhe, in der Erneuerung im Bestand und in Umnutzungen – alles unter der Überschrift Bezahlbarkeit. Politik, Wohnungsbaugesellschaften und alle Akteure der Baubranche sind gefordert. Wir beleuchten exemplarisch innovative Beispiele aus Deutschland, Österreich und Frankreich, die unter anderem im Rahmenprogramm der Messe diskutiert werden.

Stadtverdichtung: Konversionsflächen
Stadt erfindet sich neu. Damit reagiert sie auf veränderte Lebensformen und den gestiegenen Bedarf an Wohnraum, der vor allem auch bezahlbar bleiben soll. Mannheim und München setzen unter anderem auf die Umnutzung von Flächen, die zuvor ganz anderen Zwecken gewidmet waren

In Mannheim entsteht auf dem Areal der ehemals größten deutschen US-Kaserne bis 2025 ein neuer Stadtteil. Er wird rund 8000 Menschen beheimaten sowie 1000 Arbeitsplätze schaffen. Das Verfahren setzt auf die Beteiligung der Stadtgesellschaft, nicht ohne allerdings zuvor einen klaren sozialen und ökologischen Rahmen gesteckt zu haben. Einen der fünf Teilbereiche namens Funari bebauen die Rotterdamer Architekten von MVRDV, einem der derzeit weltweit erfolgreichsten niederländischen Architekturbüros. Gemeinsam mit dem Fertighaus-Hersteller „Traumhaus” plant MVDR überwiegend Reihenhäuser, die schnell und modular und dabei preiswert und qualitativ hochwertig eine Vielzahl von Variationsmöglichkeiten für ganz unterschiedliche Lebensphasen und –modelle anbieten. Weitgehend autofrei soll eine enge Vernetzung zwischen dem umliegenden Park und dem Quartier entstehen. Winy Maas - Partner im Büro MVRDV - wird auf der Messe zur Zukunft des Wohnens sprechen.

München macht mit dem zweistufigen „München Modell“ von sich Reden. Es richtet sich mit dem Verkauf von Konversionsflächen an Haushalte des Mittelstands, die ein bestimmtes Einkommen nicht überschreiten dürfen. Interessanter noch ist die Variante mit dem Zusatz „München Modell aus der sozialgerechten Bodennutzung“, denn auf diesen Flächen müssen 30 Prozent sozialer Wohnungsbau entstehen. Nicht der finanzkräftigste Investor erhält den Zuschlag, sondern der Bauträger oder auch private Eigentümer mit dem besten architektonischen wie städtebaulichen Konzept. So im Fall der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne in Bogenhausen, wo eine Wohnungsbaugesellschaft – die GEWOFAG - 2015 einen Wettbewerb für 460 von insgesamt 1800 Wohnungen ausgelobte. Für die unterschiedlichen Baufelder wurden Vorschläge von AllesWirdGut (Wien), Fink + Jocher (München) sowie Meier Neuberger Architekten mit Laux Architekten (beide München) mit ersten Preisen bedacht.

Stadterweiterung: neue Stadtteile
Im großen Maßstab bewegen sich die Planungen der nächsten 20 Jahre für Aspern: Der neue Wiener Stadtteil ist eines der derzeit größten Stadtbauprojekte Europas und vereint einen Mix aus verschiedenen Wohnbaumodellen. Aspern entsteht auf 240 Hektar und wird 20.000 Bewohnern und Beschäftigten Platz rund um einen künstlichen See bieten. Anna Popelka von PPAG Architects stellt im Forum C2 den Beitrag ihres Büros an dieser „Slim City” vor. Mit 13 unterschiedlich hohen Turmhäusern haben sich die Planer gegen eine starre Blockrandbebauung entschieden. Die wandelbaren Grundrissen in den insgesamt 178 Wohnungen ermöglichen unterschiedliche Lebenskonzepte. Öffentlich zugängliche, aber auch privat nutzbare Freiräume, Kleinstbüros, Läden und Gemeinschaftsräume im Erdgeschoss setzen ein Zeichen gegen Monofunktionalität. Bauherrin ist eine gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft – ganz in der Tradition des „Roten Wien”; die Stadt ist Eigentümerin von 25 Prozent des gesamten Wohnbestands.

Aufwertung im Bestand
Schauen wir nach Frankreich: In der Cité du Grand Parc, einer in die Jahre gekommenen Großwohnsiedlung aus den 1960er Jahren in Bordeaux, setzen Anne Lacaton & Jean Philippe Vassal gemeinsam mit Fréderic Druot und Christophe Hutin auf ein bereits bewährtes Rezept. Ergänzt durch eine kleine Anzahl neuer Wohnungen werden Bestände des sozialen Wohnungsbaus transfomiert statt abgerissen. Das Bewährte der Struktur bleibt erhalten und zugleich erfolgt neben einer Quartiersverdichtung mit wenigen Eingriffen eine Steigerung der Wohnqualität. Die Wohnungen werden durch großzügige Wintergärten oder Balkone um knapp 30 Quadratmeter erweitert, die Fenster durch Schiebetüren ersetzt, die Bäder saniert, die Eingangshallen einladender gestaltet, die Fassaden ebenfalls saniert und gedämmt. Die Mieter können sich die Wohnung auch nach Abschluss der Maßnahmen leisten. Bauherrin ist ebenfalls eine städtische Wohnungsbaugesellschaft. Jean Philippe Vassal stellt Grand Parc auf der BAU 2017 im Forum C2 vor.

In diesem Zusammenhang lohnt auch ein Blick ins 19. Arrondissement von Paris. Hier wurde nach einem Masterplan von OMA ein 600 Meter langes Lagerhaus aus den 70er Jahren vollständig verwandelt: 15 Architekturbüros haben daran mitgewirkt, dass der riesige Bau heute nicht mehr als Barriere zwischen der Innenstadt und dem angrenzenden Grand Ensemble wahrgenommen wird. Der Riegel - Entrepot MacDonald - ist nun durchlässig und in Blöcke mit ganz unterschiedlichen Gesichtern mit einem Mix aus Geschäften, Wohnungen sowie einer Schule aufgelöst. Entstanden sind ein städtebauliches Bindeglied und zugleich eine lebendige Stadtweiterung.

Auf der BAU 2017 nimmt jedes der vier Foren im Rahmenprogramm die Zukunft der Stadt und damit des Wohnens ins Visier. Forum C2 - die Zukunft des Bauens - beschäftigt sich auf übergeordneter aber auch ganz handfester Ebene mit dem Zusammenhang zwischen Stadtraum und Stadtgesellschaft, digital unterstützten Planungs- und Kommunikationsprozessen sowie realisierten Groß- und Einzelprojekten. Wie das im Zusammenklang mit dem Baubestand, modularem Hinzufügen und der Beteiligung der Öffentlichkeit geschehen kann, thematisiert das Forum „Detail research – Building the future”. Auch zwei der vier Sonderschauen richten den Blick auf die Entwicklung von Lebensräumen beziehungsweise generationengerechtes Bauen: das Fraunhofer StadtLabor und die Präsentation der Deutschen Gesellschaft für Gerontotechnik GGT.

Text: EINSATEAM / Christina Gräwe

Donnerstag, 19. Januar 2017 / Halle C2 Forum C2 Stand C2.309
12.00 Uhr
Wohnungsbau im städtebaulichen und sozialen Kontext, Anna Popelka, PPAG architects, Wien

12.45 Uhr
Die Zukunft des Wohnens, Winy Maas, MVRDV Rotterdam

14.00 Uhr
Erneuerung des Großwohnungsbaus – Le Grand Parc in Bordeaux, Jean Philippe Vassal, LACATON + VASSAL ARCHITECTES

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