Lesestoff der Zukunft

Eine kleine Literaturauswahl zur Messe

Was man außer dem Messeprogramm und den zahlreichen Produktinformationen der über 2.000 Aussteller zur BAU 2013 über zukünftige Entwicklungen in Architektur und Stadtplanung noch lesen könnte, haben wir hier zusammengestellt

Morgenstadt. Wie wir morgen leben

Wer hier wilde Zukunftsutopien erwartet, wird enttäuscht. Nüchtern und unaufgeregt betrachten der Präsident der Fraunhofer Gesellschaft Hans-Jörg Bullinger und die Physikerin und Sozialwissenschaftlerin Brigitte Röthlein die Stadt der Zukunft. Die Fakten sind bekannt: Seit 2007 leben mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Jährlich ziehen etwa 60 Millionen Menschen vom Land in die Stadt, der Bedarf an Stadtraum wird sich in den nächsten Jahrzehnten verdoppeln. Und: Städte belegen nur zwei Prozent der Erdoberfläche, verbrauchen aber drei Viertel aller Ressourcen.
Sieben Haupthandlungsfelder werden im Buch beschrieben, die gleichzeitig auch die Themen der Forschungsinitiative „Morgenstadt“ bestimmen, die die Fraunhofer-Gesellschaft jüngst ins Leben gerufen hat. Klimawandel, Energiewende, Mobilität und Ressourcenverbrauch auf der einen Seite; Demografie, Bürgerbeteiligung sowie Information und Kommunikation auf der anderen Seite. Um die konkrete planerische oder architektonische Gestalt der Morgenstadt geht es kaum. Vielmehr bietet „Morgenstadt“einen verständlich geschriebenen interdisziplinären Überblick über den aktuellen Forschungsstand und eine Vielzahl von Verweisen auf Pilotprojekte der einzelnen Fraunhofer-Institute. (FE)

Die Sonderschau „Morgenstadt – Technologien für die Stadt der Zukunft“ der Fraunhofer-Gesellschaft ist in Halle C2/131 während der BAU zu sehen.

Hans-Jörg Bullinger / Brigitte Röthlein: Morgenstadt. Wie wir morgen leben
Lösungen für das urbane Leben in der Zukunft
Hanser Verlag, 2012, 24,90 Euro, 286 Seiten

Arrival City

Was in „Morgenstadt“ mit nüchternen Fakten beschrieben wird – die immer schnellere Urbanisierung unserer Welt, wird mit „Arrival City“ hautnah erfahrbar. Drei Jahre lang ist der kanadische Journalist Doug Saunders zu den Rändern der wachsenden Metropolen gereist, den Slums und Favelas, aber auch in die vermeintlichen oder tatsächlichen Brennpunkte europäischer Metropolen wie London, Paris oder Berlin. Mehr als 20 Orte porträtiert er und stellt ihre Bewohner vor. „Arrival City“ zeigt, dass eine einseitig negativ-konnotierte Betrachtung urbaner Randzonen, die vor allem in Asien oder Lateinamerika kontinuierlich mit der Zahl der Neuankömmlinge aus den Dörfern wachsen, dem Potenzial dieser Gegenden nicht gerecht wird. Die „Ankunftstädte“ können – das zeigen Saunders Reportagen – für ihre Bewohner tatsächlich die Chance auf ein besseres Leben bieten, wenn die etablierte Stadtgesellschaft und –planung aus sie integrativ reagiert. „Arrival City“ eröffnet damit neue Sichtweise auf die meist informell entstehenden, neuen urbanen Räume, die zukünftig noch schneller wachsen werden. (FE)

Doug Saunders spricht am 18. Januar 2013 um 10.30 Uhr über „Migration und unsere zukünftige Welt.“ (Forum C2)

Doug Saunders: Arrival City
Karl Blessing Verlag, 2011, 22,95 Euro, 576 Seiten

Building the future

Die Münster School of Architecture veranstaltete im Sommer 2011 mehrere Symposien, um mit internationalen Experten über nachhaltiges Bauen, Klimawandel, den Umgang mit Ressourcen zu diskutieren. „Building the future – Maßstäbe des nachhaltigen Bauens“ fasst die unterschiedlichen Positionen zusammen. Die Publikation ist kein Ratgeber und auch kein Nachschlagewerk – es ist eine charmante Sammlung kluger Artikel. Texte von Eike Roswag, Vanessa Miriam Carlow, Jesko Fezer, Philippe Rahm und anderen zeigen neue Konzepte, experimentelle Ansätze und Lösungen für die Architektur der Zukunft und bilden damit eine gelungene Momentaufnahme auf der Suche nach einer generellen Verbesserung und einem anderem Selbstverständnis der Baubranche.
(aus der Rezension von Jeanette Kunsmann in der Baunetzwoche #291)

Hans Drexler, Adeline Seidel (Hrsg.): Building the Future. Maßstäbe des nachhaltigen Bauens 
Jovis Verlag, 2012, 28 Euro, 316 Seiten

Digital Utopia 

Kann digital schneller, besser, schöner sein? Oder wird in Zukunft alles nur noch ein bisschen leichter, aber hässlich und ungemütlich? Wie schwer ist eine E-Mail? Und wie verändert sich eigentlich unsere gebaute Umwelt? Wird alles Science-Fiction? Viele Fragen, die nur schwer zu beantworten sind. „Digital Utopia“ heißt ein neues Buch, dass sich mit diesem Thema auseinandersetzt, und zwar völlig analog: In braunen Umweltkarton gebunden und nicht als PDF zum Durchklicken, blättert man durch unterschiedlichste Positionen der „Pioniere der Digitalisierung in der Architektur“ und ihre jeweiligen Projekte. Unterteilt in die vier Kapitel „Software of Space“, Fassade, die Ebene der responsiven Materialien und multisensorische Objekte zeigt sich dabei eine interessante, vielversprechende Auswahl. Projektbeschreibungen werden von hinterfragenden Interviews und Essays von und mit Architekten, Designern, Textilgestaltern, Zukunftsforschern, Ingenieuren und Künstlern ergänzt. 
(aus der Rezension von Jeanette Kunsmann in der Baunetzwoche #277)

Nadin Heinich/ plan a (Hrsg.): Digital Utopia. Über dynamische Architekturen, digitale Sinnlichkeit und Räume von morgen
Verlag der Akademie der Künste, 2012, 29,90 Euro, 184 Seiten

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