Von Smart Homes zu Adaptive Buildings

Seit wann sind Häuser eigentlich intelligent

Adaptive Fassaden und Gebäudeautomation sind wichtige Schwerpunkte auf der BAU 2013. Wir begeben uns aus diesem Anlass auf Spurensuche zu den Anfängen intelligenter Haustechnik und Gebäudeplanung.

Ölkrise als Motor der Entwicklung

In der Fiktion sind sie meist ein Alptraum: Man denke an das hochtechnisierte Haus im Tati-Film „Mon oncle“ von 1958 oder den durchgeknallten Fahrstuhl in Douglas Adams Roman „Das Restaurant am Ende der Galaxy“ von 1980. In der Realität tauchte der Begriff des „intelligent buildings“ erstmals in den 1960ern Jahre auf. 1967 sprach Architekt und Digitalisierungsguru Nicholas Negroponte als einer der ersten von intelligenten, interagierenden Gebäudesystemen. 

Im Laufe der Jahre verbreitete sich die Idee des „intelligent building“ weiter – vor allem als Ausweg aus dem „Sick-Building-Syndrom“. Mit den Ölpreisen stiegen auch die Kosten für energiefressende Glastürme. Energieeffiziente, integrative Systeme in Fassadenplanung und Gebäudetechnik waren gefragt. Erste in diesem Sinne intelligente, aber noch „analoge“ Bürohochhäuser mit zweischaligen Fassadenkonstruktionen entstanden wie etwa das Hooker Building (1980) von Cannon Design. 

Schlaue Wohnhäuser

Weniger um energetische Aspekte als um Komfort ging es bei den ersten Smart Homes. Im japanischen TRON-Haus von 1989 rechneten mehr als 1.000 Computer. Sie steuerten etwa die Fenster oder würzten das Abendessen. Ambient Intelligence und Ubiquitous Computing, also „Umgebungsintelligenz“ und die Allgegenwart des Rechners, avancierten zum Leitbild der Entwicklung. Smart-Home-Protoypen wie das Microsoft-Haus in Redmond (1994), das Orange Future Home in Hertfordshire (2000) oder das T-Com-Haus in Berlin (2005) entstanden. 

Eine auch gestalterisch anspruchsvolle Pionierarbeit leistete Werner Sobek mit seinem Stuttgarter Experimentalhaus aus dem Jahr 2000, in das er selbst einzog. Mittlerweile haben sich einige Hersteller und Energiekonzerne zur SmartHome Initiative zusammengeschlossen, weitere Musterhäuser wurden errichtet und intelligente Haustechnologie zählt zum Standardrepertoire vieler Anbieter.
 
Forscher der Fraunhofer-Gesellschaft jedenfalls behaupten in ihrer aktuellen Zukunftsstudie „Morgenstadt“: „Die Stadt von morgen wird ohne intelligente Häuser und Wohnungen nicht mehr auskommen.“ Nicht nur, um Energie effizient einzusetzen, sondern auch, um dank „Ambient Assisted Living“ immer länger weitestgehend selbstständig wohnen zu können.. Damit uns die Haustechnik im Alter nicht überfordert, sollten wir uns, so die Forscher, am besten vorher daran gewöhnen. 

In diesem Sinne könnte man den österreichischen Architekten Bernd Mack als Hightech-Pionier betrachten, der sich jüngst sein persönliches Haus der Zukunft gebaut und es damit zwar nicht in die Fachblätter, wohl aber ins populärwissenschaftliche TV-Magazin „Galileo“ geschafft hat. In Hamburg entstehen gerade die WaterHouses als Projekt der Internationalen Bauausstellung. In der Wohnanlage von Schenk + Waiblinger Architekten wird alles per iPAD gesteuert und die Bewohnerschaft mit intelligenter Gebäudetechnik über ihren Energieverbrauch auf dem Laufenden gehalten. 

Form follows Energy

Auch im großen Maßstab, bei der Planung von Hochhäusern, bestimmt die Energiefrage die Entwicklung. Es geht um adaptive Gebäudehüllen, um Automation und intelligente Stromnetze, so genannte Smart Grids, die in Zukunft dezentral erzeugten Strom verteilen sollen. Dass die neue Gebäudeintelligenz nicht nur funktional ist, sondern auch noch gut aussehen kann, zeigen Beispiele wie das im wahrsten Sinne des Wortes grüne Media-Tic-Hochhaus von Cloud 9 oder das Manitoba Hydro Hauptquartier von KPMB Architects und den Stuttgarter Klima-Engineering-Spezialisten von transsolar. Die These von Brian Cody, der seit Jahren an der TU Graz die Wirkung der Energiefrage auf die Architektur untersucht, könnte also zutreffen: „Form follows energy“.

(Franziska Eidner)

Veranstaltungstipps BAU 2013: 

Arno Schlüter (ETH Zürich): Adaptive Systeme – Symbiotisches Design
14. Januar 2013, 10.30 Uhr, Forum A6 

Matthias Schuler (transsolar): Manitoba Hydro Headquarter – ein Energieversorger zeigt Flagge
15. Januar 2013, 13. 00 Uhr, Forum A6

Brian Cody (TU Graz): Form Follows Energy
17. Januar 2013, 13.00 Uhr, Forum C2

Energie 2.0 - Podiumsdiskusion mit Thomas Auer (transsolar), Michael Frielinghaus (Bund Deutscher Architekten), Manfred Hegger (TU Darmstadt) u. a.
17. Januar 2013, 17.00 Uhr, Forum C2

Werner Sobek: Ultraleichtbau
18. Januar 2013, 16.00 Uhr, Forum C2


Sonderschauen auf der BAU 2013:

Universal Design
Veranstalter: ift Rosenheim
Halle C4/338

Generationengerecht Bauen – wirtschaftlich, flexibel, barrierefrei
Veranstalter: Deutsche Gesellschaft für Gerontotechnik ® GGT
Halle A4/338

Morgenstadt - Technologien für die Stadt der Zukunft
Veranstalter: Fraunhofer Allianz Bau
Halle C2/131

Nachhaltig Bauen. Mit Transparenz zum passenden Produkt.
Veranstalter: DGNB Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
Halle C2/311

Veranstaltungstipps für die BAU 2013

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