Von Zuse bis Asymptote

Wie der Computer zum Entwurfswerkzeug wurde

Aktuelle Entwicklungen zum parametrischen Entwerfen, zu digitalen Fertigungsprozessen und Gebäudeautomation sind Themen der BAU 2013. Wir schauen zurück und begeben uns auf eine Reise in die IT-Vergangenheit der Architektur.
 
Erste Maschinen
 
Es war ein Bauingenieur, der 1941 mit seinem Z3 den weltweit ersten voll funktionsfähigen Computer präsentierte. Das Nachfolgermodell vermietete Konrad Zuse 1950 als ersten kommerziell ausgelieferten Rechner der Welt an die ETH Zürich, die heute als Zentrum digitaler Architekturfabrikation gilt.
 
Zunächst dienten Computer in der Architektur ab den 1950er zur Analyse der Lastabtragung. 1968 nutzte Jörg Schlaich als einer der ersten den Rechner auch zur Formfindung für die Dächer des Münchner Olympiastadions. Während Ingenieure wie Schlaich Computer immer mehr in ihre Arbeit integrierten, blieben Architekten zumeist noch skeptisch. Die ersten Zeichenprogramme entwickelten in den 1960ern Luftfahrtkonzerne.
 
Der Blob
 
Erst mit der Verbreitung des PCs und immer geringeren Kosten für CAD-Software hielt der Computer in den 1980er Jahren auch in Architekturbüros Einzug – zunächst als Werkzeug zur effizienteren Planerstellung. Frank O. Gehry ging einen Schritt weiter. Die Gestalt seines Düsseldorfer Zollhofs (1996–1998) entwickelte er zwar immer noch analog. Aber für die Herstellung der gewellten Betonplatten nutzte er eine softwaregesteuerte CNC-Fräse.
 
Greg Lynn erzeugte Anfang der 1990er Jahre freigeformte, biomorphe Körper am Computer und leitete damit das Blob-Zeitalter ein. Pioniere des computergenerierten Entwerfens wie Asymptote profilierten sich allerdings vor allem durch konzeptionelle Arbeiten – erst 2009 etwa realisierte das New York Büro mit seinem Yas-Hotel in Abu Dhabi ein Großprojekt.
 
Parametric Design und File-to-Factory-Production
 
Möglich wurden solche Bauten durch neue digitale Entwurfs- und Fertigungsverfahren. Beim Parametrischen Design wird nicht mehr anhand fixer Geometrien, sondern mittels Beziehungen gestaltet. Die virtuellen 3-D-Modelle dienen dann bei der sogenannten File-to-Factory-Produktion als Basis für computergesteuerte Ausgabegeräte wie CNC-Fräsen, die die einzelnen Gebäudekomponenten herstellen. Ein frühes Beispiel dafür ist das Mercedes Benz Museum von UNStudio (2002–2006).
 
Seitdem hat sich viel getan – und einiges wurde gebaut. Ob man „Parametrismus“ allerdings gleich zum epochalen internationalen Stil erklären muss, wie es Patrik Schumacher, Partner bei Zaha Hadid und Gründer des AA Design Research Labs in London, mit seinem 2009 veröffentlichten und seitdem immer wieder diskutierten Manifest getan hat?
 
Fest steht, dass sich mit digitalen Entwurfs- und Fertigungsprozessen auch die gestalterischen Möglichkeiten weiterentwickeln. Shigeru Ban’s spektakuläre hölzerne Dachkonstruktion für das Centre Pompidou in Metz, bei der er durch die File-to-Factory-Spezialisten von designtoproduction beraten wurde, oder Metropol Parasol von J. Mayer H. sind Belege dafür; die Entwürfe von LAVA für Masdar City oder ihr jüngster Wettbewerbserfolg – das neue Hauptquartier des Green Climate Fund in Bonn – könnten es nach ihrer Realisierung sein.
 
Zukunftsweisend sind im deutschsprachigen Raum die Forschungsarbeiten und temporären Installationen von Wissenschaftlern und Architekten wie Achim Menges (Institute for Computional Design, Stuttgart), Holger Hoffmann (Bergische Universität Wuppertal) oder Gramazio & Kohler an der ETH Zürich. Die Grenze des technisch Machbaren und damit gestalterisch Denkbaren scheint sich immer schneller zu verschieben.

(Franziska Eidner und Nadin Heinich)

 
Veranstaltungstipps BAU 2013:
 
Hani Rashid (Asymptote): Kreatives Design und Machbarkeit in der Architektur
15. Januar 2013, 16.00 Uhr , Forum C2
 
Ben van Berkel (UNStudio): Parametric Design – Die Zukunft des Entwerfens
16. Januar 2013, 11.30 Uhr, Forum C2
 
Achim Menges (Institute für Computional Design): Computional Design Thinking
17. Januar 2013, 14.30 Uhr, Forum A6
 
Alexander Rieck (LAVA): Bauen in der Morgenstadt
14. Januar 2013, 14.30 Uhr, Forum A6
 
Fabian Scheurer(designtoproduction): Lost in Parameter Space
16. Januar 2013, 10.30 Uhr, Forum C2
 
Patrik Schumacher (Zaha Hadid): Parametric Design
16. Januar 2013, 12.30 Uhr, Forum C2
 
Tobias Wallisser (LAVA): Parametrisch generierte Räume – digitale Kathedralen?
16. Januar 2013, 13.30 Uhr, Forum C2

Veranstaltungstipps für die BAU 2013

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