BAU 2013: Was heißt hier Zukunft?

Themenvorschau auf die weltgrößte Fachmesse für Architekten und Ingenieure in München

„Der Architekt muss ein Prophet sein“, soll Frank Lloyd Wright einmal gesagt haben. „Wenn er nicht wenigstens zehn Jahre vorausschauen kann, sollte man ihn nicht Architekt nennen.“ Um heute vorher zu sagen, was Architektur und Stadtplanung in der kommenden Dekade beeinflussen wird, bedarf es nicht zwingend hellseherischer Fähigkeiten. Zukunftsprognosen sind fester Bestandteil unserer alltäglichen Nachrichtenwelt, eine Flut von Veranstaltungen und Veröffentlichungen beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Energiewende, Demografischem Wandel & Co. auf den planerischen Alltag. Da stellt sich eher die Frage, wie man hier den Überblick behält. Ein komprimiertes Update zur „Zukunft des Bauens“ bietet die BAU in München – beste Grundlagen für fundiertes Prophetentum in der Architektur.

Die BAU versteht sich nicht nur als Leistungsschau der Bauwirtschaft, sondern auch als Seismograph für zukunftsweisende Themen. Der offizielle Messeslogan verspricht, dass hier vor allem die „Zukunft des Bauens“ gezeigt und diskutiert wird. Auf der Agenda des aktuellen BAU-Programms, das zwischen dem 14. und 19. Januar 2013 über die Bühne geht, stehen neben den obligatorischen Leitthemen Nachhaltigkeit und Energie 2.0 auch Fragen der Stadtentwicklung und des generationengerechten Bauens. Das Informationsangebot ist enorm – wir haben nachgezählt und uns näher umgeschaut.

Die Zukunft ist silber-grün urban!

Das gesamte Messegelände mit seinen 17 Hallen wird von mehr als 2.000 Ausstellern auf über 180.000 Quadratmetern bespielt, in vier zentralen Veranstaltungsforen finden mehr als 100 Vorträge und Podiumsdiskussionen statt, hinzu kommen vier Sonderschauen. Nachdem die alle zwei Jahre stattfindende Messe im Jahr 2011 ihre Besucherzahlen um zehn Prozent steigern konnte, erwartet sie für 2013 rund 240.000 Besucher, davon ein Viertel aus dem Ausland. Mehr als 50.000 von ihnen werden voraussichtlich Architekten und Planer sein. Dementsprechend expandiert das Fachbesucherprogramm.

„Silbern + grün + urban“ – so könnte man die Zukunftsformel der kommenden Bau-Themen umschreiben. Immer mehr ältere Menschen leben in immer stärker zusammenwachsenden städtischen Metropolregionen mit immer komplexeren Anforderungen an soziale, ökologische und auch wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Was bedeutet das für neue Architekturen, aber auch für den Umgang mit dem Gebäudebestand?

Zwar ist die für 2012 geplante Novellierung der Energieeinsparverordnung (EnEV) noch immer nicht in Kraft getreten – ein Bundesregierungsbeschluss ist nun für Februar 2013 angekündigt – aber das Ziel steht fest. Laut EU-Gebäuderichtlinie sollen nach 2020 nur noch „energieautarke“ Gebäude entstehen. Klimaengineering, Plusenergiehäuser, Energiemanagement aber auch international unterschiedliche Bedingungen für die Realisierung von ressourcenschonenden und energieeffizienten Bauten und die Frage der sogenannten grauen, zur Herstellung von Gebäuden aufgewendete Energien sind daher wichtige Themen auf der Messe. Aktuelle „grüne“ Architekturen kann man dann in Natura bei der Langen Nacht der Architektur am 18. Januar 2013 begutachten, die nach der erfolgreichen Premiere in 2011 nun erneut ein Messeprogrammpunkt ist, – zum Beispiel das momentan von Henning Larsen geplante Siemens-Headquarter oder die ADAC-Zentrale von Sauerbruch Hutton.

Is this tomorrow? Morgenstadt & Co

Aber es geht bei der BAU nicht nur um einzelne Gebäude, Materialien oder Baustoffe. Es geht auch um Systeme und eine ganzheitliche Betrachtung der baulichen Entwicklung. Folgerichtig rückt in diesem Jahr erstmals die Stadt im 21. Jahrhundert als eigenständiger Schwerpunkt in den Fokus der Messe mit Themen wie „Smart Urban Systems“ oder „Infrastruktur und Stadt“.

Wie kann die Stadt aussehen, in der wir in Zukunft leben und arbeiten wollen? Und wie kommen wir dorthin? Mit diesen Fragen beschäftigt sich unter anderen die Fraunhofer-Gesellschaft im Rahmen ihrer „Morgenstadt-Initiative“. Eine Sonderschau zeigt, an welchen Fragen und Lösungsansätzen das interdisziplinäre Forschernetzwerk unter Hauptkoordination des Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) arbeitet.

Übermorgenmacher

Das IAO, das sich selbst auch als „Übermorgenmacher“ bezeichnet, hat jüngst mit Teilen seiner Belegschaft einen neuen Zukunftsbau bezogen: das Zentrum für Virtuelles Engineering (ZVE). Dessen Architekt, Ben van Berkel von UNStudio, der Stuttgart bereits mit dem Mercedes Benz Museum und dem ZVE endgültig zu einem Epizentrum parametrischen Designs gemacht hat, ist natürlich auch auf der BAU in München vertreten und spricht – na klar – über die Zukunft des Entwerfens in Gesellschaft von Kollegen wie Patrik Schumacher (Zaha Hadid) und dem Guru für digitale Fertigungsprozesse Fabian Scheurer von designtoproduction.

Neben Informations- und Kommunikationstechnologien könnten aber auch zunehmend biologische Forschungsergebnisse die Zukunft des Bauens beeinflussen. Bionik und bio-adaptive Fassaden sind deshalb auch Themen, die im BAU-Programm diskutiert werden. In Hamburg entsteht gerade im Rahmen der Internationalen Bauausstellung das weltweit erste Gebäude mit einer Bioreaktorfassade aus Mikroalgen. Weiteres zur IBA Hamburg, die im Juni 2013 eröffnet wird, erfährt man übrigens auch schon im Januar auf der BAU 2013 in einem Vortrag vom Oberbaudirektor der Hansestadt.

Off the Road

Jenseits der großen Zukunftsthemen gibt es also eine Vielzahl kleiner Entwicklungspfade zu entdecken – von der Vision einer SENSEable City des Massachusetts Institute of Technology (MIT) bis hin zur Frage, wie der Trend zum Online-Shopping zukünftig die Architektur beeinflussen könnte. Eine Menge Stoff also für Architektur-Propheten. 

(Franziska Eidner)

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