Die dritte Haut des Menschen

Trends in der Fassaden-Forschung

Manche bezeichnen sie als die dritte Haut des Menschen: Die Gebäudehülle erfüllt nicht nur viele Funktionen, sie bestimmt auch maßgeblich den Ausdruck eines Baus. Wie die Architektur im Allgemeinen ist auch die Fassade im Speziellen wandelnden Trends unterworfen und muss zugleich immer auch funktional sein. Über aktuelle Entwicklungen und Erkenntnisse auf dem Gebiet der Fassaden-Forschung und die Frage, was die spannenden Themen der Zukunft sind, sprachen wir mit Prof. Dr. Ulrich Knaack, der an der TU Darmstadt und an der TU Delft Fassadentechnik lehrt und Mitinitiator der „Power Skin Conference“ auf der BAU ist.

Gestalt und Funktion der Fassade dominieren jedes Gebäude. Dabei lässt sie sich nicht isoliert betrachten sondern muss immer in einem breiten, oft anspruchsvollen Kontext gesehen werden. Das birgt große Potentiale, seien sie technischer oder gestalterischer Natur,“ erklärt Knaack. „In den Bereichen Energie, Sanierung und neue Materialien für Fassaden wurden in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt,“ fügt er an. Grundsätzlich ziele das Fassaden-Design heute darauf ab, Umwelt und Ressourcen zu schonen. Dafür werden Komponenten und Oberflächen zur Energieerzeugung und -speicherung wie Photovoltaikanlagen in die Fassade integriert. Für Sanierungen von Wohn- und Bürogebäuden werden Finanzierungsmöglichkeiten wie etwa Leasing Modelle entwickelt, die mehr Technik in Fassaden integrieren können und nicht gekauft werden müssen sondern „gemietet“ werden können. Ebenfalls große Fortschritte wurden in der Entwicklung nachhaltiger, intelligenter Materialien gemacht.

Aber auch andere bisher im Kontext der Fassaden wenig beachtete Komponenten und Materialien wie Textilien rücken weiter in den Forschungsfokus. Insbesondere Glas wurde in den vergangenen Jahrzehnten aufgrund seiner verbesserten thermischen Leistungsfähigkeit und besonderen Eigenschaften wie seiner Transparenz zur dominierenden Gebäudehaut. Ein Meilenstein-Projekt ist hier das Amsterdamer „Crystal House“ von MVRDV, für dessen Imitation einer Backstein-Fassade die Architekten ein spezielles neues Glas entwickelt haben, das sogar härter ist als Beton.

Knaacks besonderes Interesse gilt darüber hinaus additiven Herstellungsmethoden wie dem 3D-Drucken von Materialien: „Ganze Häuser auszudrucken wird auch in Zukunft nicht möglich sein, am interessantesten ist das Verfahren daher für die Fassade. Hier sind Materialien frei formbar und Individualisierungen möglich. Wir entwickeln und prüfen Verfahren zum Drucken von Aluminiumprofilen und großen Komponenten aus Kunststoff, Beton, Stahl, Keramik und Glas, arbeiten aber auch material-übergreifend. Wir drucken uns sozusagen durch alle Materialien,“ erklärt Knaack. In seinen Laboren in Delft entstehen so Testsysteme, die das Material schichtweise zu meterhohen Komponenten ausdrucken. 


Welche Neuerungen in der Fassaden-Forschung wir in Zukunft zu erwarten haben geht die von Prof. Dr. Ulrich Knaack, Prof. Thomas Auer und Prof. Dr. Jens Schneider initiierte „Power Skin Conference“ am 19. Januar 2017 auf der Bau 2017 nach. Architekten, Ingenieure und Wissenschaftler präsentieren ihre Forschungsergebnisse und Projekte mit einem Fokus auf Material, Technologie und Design. Im Panel „The Next Big Thing - Einblicke in die aktuelle Fassaden-Forschung“ stellen die drei Professoren anschließend am Freitag den 20. Januar auf der Bau die spannendsten Themen und Erkenntnisse daraus vor.

Text: EINSATEAM / Bettina Krause

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