Lektüre-Tipps zur BAU

6 Bücher, die gut in Ihr Reisegepäck zur Messe passen würden

Würde die Baubranche ein Wort des Jahres küren, dann wäre es sicher WOHNEN. Nicht nur die Leitthemen der BAU, auch eine Vielzahl der neu erschienen Fachpublikationen zeugen von der Omnipräsenz des Themas. Wir haben eine Auswahl zu Büchern über bezahlbares, flexibles und energiebewusstes Wohnen für Sie zusammengestellt und eröffnen mit unseren Buchtipps darüber hinaus auch neue Perspektiven auf den urbanen Raum.

Bezahlbar. Gut. Wohnen. Strategien für erschwinglichen Wohnraum
„Wohnen radikal neu denken“, fordern die Herausgeber Klaus Dörner, Hans Drexler und Joachim Schulz-Granberg in der Einführung ihres neuen Buches. Sie verstehen es als Fortsetzung und Vertiefung des Vorgängers „Affordable Living“. Die Autoren stellen sich und den Lesern die Frage, ob die immense Nachfrage nach Wohnraum nicht auch eine echte Chance birgt. Denn wo Handlungsbedarf ist, entsteht Energie und Kreativität. Über die architektonischen und städtebaulichen Fragen hinaus liegt ihnen der soziale Aspekt des Wohnens am Herzen. Die Grundlage für die erneute Beschäftigung mit dem Thema Wohnen war ein Wettbewerb der Hans-Sauer-Stiftung im Sommer 2015: Unter dem Titel „Social Design. Bezahlbar. Gut. Wohnen. Wohnwert schaffen durch soziale, räumliche und technische Innovationen“ wurden innovative Wohnmodelle gesucht. Die Projekte zeigten neue Konzeptionen der Planung, der Mischung von Akteuren und des Zusammenlebens.. Den Beispielen aus der Praxis sind Eckdaten zu Rahmenbedingungen, Strategien sowie Baukosten vorangestellt. Abschließend werten die Autoren „Muster bezahlbaren Wohnens“ mit Vorbildcharakter für kostensenkende Strategien aus. Das Buch wendet sich damit an Stadtplaner und Architekten, aber ebenso an Entscheidungsträger bei Wohnungsbaugesellschaften, in der Wirtschaft und der Politik.

Klaus Dörner, Hans Drexler, Joachim Schulz-Granberg 
Bezahlbar. Gut. Wohnen. Strategien für erschwinglichen Wohnraum 
Jovis Verlag, 2016, 25 Euro, 296 Seiten, ca. 240 Abbildungen

Kalkbreite. Ein neues Stück Stadt
Die mehrfach ausgezeichnete Züricher Genossenschaft Kalkbreite ist ein Mutmacher aus der Praxis.Sie gilt als besonders innovatives und erfolgreiches „neues Stück Stadt”. Die Genossenschaft selbst hat den Band herausgegeben und beschreibt aus der Innensicht ihren „Kalkbreite-Krimi”, dessen Vorgeschichte bereits 1975 begann. Der Leser wird durch die verschiedenen Stationen von der ersten Idee bis zur Realisierung mitgenommen. Der Gemeinschaftsgedanke stand von Anfang bis Ende im Zentrum des partizipatorischen Prozesses. Dies schlug sich auch in der Architektur von Müller Sigrist Architekten nieder. Mit zuschaltbaren Räumen und Gemeinschaftsflächen verschiedener Qualitäten reagierten die Planer unter anderem auf sich wandelnde Lebensformen. Rund 250 Menschen leben in den 97 Wohnungen unterschiedlichen Zuschnitts. Die Nutzung und der Betrieb werden im Buch aus erster Hand geschildert; Eckdaten und Pläne kommen ergänzend hinzu. Nicht zuletzt verlebendigen zahlreiche Fotos die einzelnen Etappen.

Genossenschaft Kalkbreite: Kalkbreite. Ein neues Stück Stadt
Selbstverlag, 2015, 35 CHF zzgl. Versand, 232 Seiten, 335 farbige Abbildungen

Das Wiener Modell. Wohnbau für die Stadt des 21. Jahrhunderts
„Wiens soziale Wohnbaupolitik ist hinsichtlich ihrer langen Tradition und ihrer Kontinuität einzigartig.“ Aufgrund dieser Voraussetzungen wundert es nicht, das für die Stadt des 21. Jahrhunderts ein Modell des beginnenden 20. Jahrhunderts – das Wiener Modell - bemüht wird. Rund 62 Prozent aller Haushalte in Wien sind geförderte Wohnungen, die Stadt besitzt 220.000 davon. Die Erklärung für den andauernden Erfolg: Bauträgerwettbewerbe, die architektonische, ökologische und soziale Aspekte im Blick behalten. Das Ziel: bezahlbare Mieten und damit die soziale Mischung zu gewährleisten sowie auch auf neu entwickelte Stadtgebiete zu übertragen. Wien betreibt aber keine Nabelschau, sondern internationalen Austausch. Mit dem Buch (und einer Wanderausstellung) ziehen die Herausgeber Bilanz zu 100 Jahren „Rotem Wien“ und schauen zugleich mit ihrer Modellstadt in die Zukunft. Sie stellen die IBA_Wien vor, die bis 2022 unter dem Titel „Neues soziales Wohnen“ entsteht. In Diagrammen und Schaubildern werden Städtevergleiche etwa zu Jahreseinkommen und Wohnfläche gezogen. Ein weiterer Vergleich widmet sich Innovationen im Wohnungsbau anhand der Beispiele Wien und New York. Ein besonderes Augenmerk liegt mit einem eigenen Kapitel auf der Rolle der Kunst im städtischen Raum und der Auseinandersetzung einzelner Künstler mit dem Thema.

Wolfgang Förster, William Menking
Das Wiener Modell
Jovis 2016, 29,80 Euro, 248 Seiten, ca. 250 Abbildungen, zweisprachig dt./engl.

Spekulationen Transformationen. Überlegungen zur Zukunft von Deutschlands Städten und Regionen
Einen noch ungewohnten Weg zur Entwicklung von Städten und Regionen sind BMUB und BBSR gemeinsam mit dem Forschungsprojekt „Baukulturatlas Deutschland 2030/2050“ gegangen. Die Ergebnisse liegen nun in einem Buch vor: „Spekulationen Transformationen. Überlegungen zur Zukunft von Deutschlands Städten und Regionen“. Interessant ist der Bericht schon deshalb, weil hier die (Groß-) Städte nicht isoliert, sondern mit den Regionen zusammengedacht werden. Kern des Buches ist das Kapitel Spekulationen, das drei Szenarien durchspielt: sehr unterschiedliche „Zukünfte“, die alle so eintreten könnten.. Vorangestellt ist als Grundlage dafür ein Analyseteil mit Interviews, Thesen, Essays und Karten. Reflexionen unterschiedlicher Autoren über aktuelle Vorgehensweisen und Transformationsansätze im Bereich erneuerbare Energiewelten, alternative Wohlstandsmodelle und dezentrale Produktionsweisen beschließen das Buch. Die Empfehlung lautet: plausible Visionen durchspielen, statt wie üblich Prognosen hochzurechnen. Das löse das lineare Denken durch eine Vielzahl flexibler Reaktionen ab.

Matthias Böttger, Stefan Carsten, Ludwig Engel
Spekulationen Transformationen. Überlegungen zur Zukunft von Deutschlands Städten und Regionen
Lars Müller Publishers, 2016, 39 Euro, 264 Seiten, ca. 100 Abbildungen, separate Ausgaben dt./engl.

Die Stadt als offene Partitur
Werfen Sie vertraute Lese- und Sehgewohnheiten über Bord. Lassen Sie sich auf ein Experiment ein. Der Theoretiker, Komponist, Musiker, Querdenker Christopher Dell ist bekannt für seinen Crossover der Disziplinen. Er arbeitet als anerkannter und gefragter Architekturtheoretiker - aktuell lehrt er an der HafenCity Universität Hamburg. Als Leiter des ifit, Institut für Improvisationstechnologie, Berlin ist er bekannt für seine unkonventionellen Herangehensweisen. „Gefragt ist nicht mehr, was Stadt ist, sondern was Stadt macht.”, so Dell. Die Herausgeber beschreiben das vorliegende Buch als eine in Worte gefasse Fortsetzung von Improvisationen: Dell war als Experte zu einer Workshopreihe rund um die Entwicklung eines Informationssystems des 68 Einzelbahnhöfe umfassenden U-Bahn-Netzes Grand Paris Express eingeladen worden – die Gastgeber von Civic City (zugleich Herausgeber des Buches) suchten explizit eine andere Perspektive als die des klassischen Stadtplaners. Das gesamte Verkehrsnetz als Orchester, die Einzelbahnhöfe als Solostimmen aufzufassen, so könnte stark verkürzt Dells Annäherung an die komplexe Aufgabe lauten. In seiner Einführung erläutert der Autor seinen partiturbezogenen Ansatz mit der Performativität sowohl von Stadt als auch Stadtforschung: Dells Einführung und weitere Ausführungen zu etwa „Notation und Diagrammatik des Urbanen” oder „Partitur und Unbestimmtheit“ schließen zahlreiche Ausflüge zu namhaften (Musik-)Theoretikern und Stadtplanern ein. Ein Bildteil ergänzt den theoretischen Teil. Das Buch teilt eine wesentliche Erkenntnis mit anderen aktuelleren Publikationen zum Thema: Stadt sollte viel mehr Improvisation als Regelwerk sein.

Vera und Ruedi Baur, 
Christopher Dell: Die Stadt als offene Partitur 
Lars Müller Publishers, Reihe Design2kontext, 2016, 28 Euro, 130 Seiten, separate Ausgaben dt./frz.

Aktivhaus. The Reference Work. From Passivhouse to Energy-Plus-House
Die „Aktivhaus“-Ausgabe von 2013 war die erste umfassende Publikation zu zukunftsweisendem Bauen im deutschsprachigen Raum und bildete ein Grundlagenwerk. Für die englischsprachige Version von 2016 haben die Herausgeber eine Überarbeitung vorgenommen. Manfred Hegger gilt als Pionier auf dem Gebiet und hat früh erkannt, dass Gebäude erheblich zu ihrer Selbstversorgung und damit der Ressourcen- und Klimaschonung beitragen können - vorausgesetzt, man lässt sie. Das setzt voraus, dass Häuser mit profunden Kenntnissen zum energieeffizienten Bauen geplant und realisiert werden. Inzwischen steht mit dem Aktiv-Stadthaus ein leuchtendes Beispiel nachhaltigen Bauens aus Manfred Heggers Büro HHS Planer + Architekten in Frankfurt am Main. Mit ihrem Buch fassen die Herausgeber teils jahrzehntelange Erfahrungen aus Lehre und Praxis zusammen und richten sich mit der Darstellung von Methoden, Techniken und Instrumenten gleichermaßen an Bauherren, Architekten sowie Ingenieure. Am Anfang wird das Prinzip Aktivhaus erklärt, dann die einzelnen Komponenten vertieft; Positionen anderer Experten weiten den Blick. Realisierte Beispiele veranschaulichen die Theorie, ein Ausblick rundet das Buch ab. Es war nicht als solches geplant, aber durch den Tod von Manfred Hegger im Sommer 2016 ist aus dem Standardwerk auch ein Vermächtnis geworden.

Manfred Hegger, Caroline Fafflok, Johannes Hegger, Isabell Passig
Aktivhaus. The Reference Work 
Birkhäuser, 2016, 69,95 Euro, 240 Seiten, 420 Abbildungen, engl., auch als eBook

Auswahl: EINSATEAM / Christina Gräwe und Kascha Lemke

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