Themenvorschau auf die weltgrößte Fachmesse rund ums Planen und Bauen

Urban + Sozial + Effizient = Zukunft?

Der Architekt ist zunehmend Dienstleister, der Einfluss des Bauherrn wächst, und ästhetische Entwicklungen sind anders als technische schwer vorhersagbar – so das Fazit eines Kongresses zur Zukunft der Architektur, über den die Wochenzeitung Die Zeit berichtete. Was sich wie eine aktuelle Bestandsaufnahme liest, stammt allerdings aus dem Jahr 1961. Die Zukunftsschau hat in der Architektur also Tradition. Wer sich zu Zukunftsthemen des Bauens auf den neuesten Stand bringen will, reist im Januar am besten nach München. 

Als „Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme“ versammelt dort die BAU alle zwei Jahre aufs Neue alle Akteure rund um das Bauen. Zwischenbilanz ziehen und zugleich weiter in die Zukunft blicken: Das unternimmt die BAU als weltweit größte Plattform ihrer Art – schon seit 1964. Von 19. bis 24. Januar 2015 wird es wieder voll auf dem Messegelände auf Münchens ehemaligem Flughafenareal in Riem: Rund 2.000 Aussteller (von Aluminium bis Ziegel), dazu Architekten, Ingenieure, Fachplaner, Handwerker und Wissenschaftler werden in den 17 Hallen das gesamte Messegelände füllen. Vor zwei Jahren kamen 232.901 Besucher, davon 26 Prozent internationale Gäste aus 46 Ländern – zur BAU 2015 werden es vermutlich nicht weniger sein.

Die Besucher erwartet neben den neuesten Produkten und Anwendungen, von denen wir hier eine Auswahl bereits vorab vorstellen, wieder ein umfangreiches Rahmenprogramm. Insgesamt 258 Veranstaltungstermine finden in Form von hochkarätig besetzten Foren, Preisverleihungen, Sonderschauen, Rundgängen und einer Vielzahl von Einzelvorträgen statt. Wir haben uns das Programm angesehen und setzen einige Schlaglichter.

Die Stadt, der Mensch und die Ressourcen

Urban + sozial + effizient = Zukunft? So könnte die Zukunftsformel der BAU 2015 lauten, zumindest wenn man sich Rahmenprogramm anschaut: „Intelligent Urbanization“, „Mensch und Gebäude“ sowie „Energie- und Ressourceneffizienz“ sind die Leitthemen der Messe. Dass Mut und Experimentierfreudigkeit notwendig sind, um über bisherige Maßstäbe hinaus zu denken, zu planen und zu handeln, greifen Experten in unterschiedlichen Foren auf. Ein gründlicher Blick auf diese Foren-Programme lohnt sich.

Neugierig macht beispielsweise die Diskussionsrunde zu „Intelligent Urbanization“, weil dort Riken Yamamoto (Riken Yamamoto & Field Shop), Werner Sobek, Jürgen Mayer H. und Kristien Ring (AA projects) aus unterschiedlichen Perspektiven Vorschläge zusammentragen, wie Stadt energieeffizient (oder gar -autark?!), nachbarschaftlich und zugleich urban funktionieren kann, die Mobilität mit inbegriffen. Zum Stadtmachen gehört aber auch zunehmend das Mitreden der Nutzer und Bewohner in sozialen, partizipativen und Selbstbauer-Projekten. Das Interesse daran geht inzwischen weit über Fachplanerkreise hinaus. Mit welchen Modellen Experten darauf reagieren, diskutiert unter anderem  der Journalist An Linh Ngo (ARCH+) mit Partizipationsexperten wie Susanne Hofmann (Die Baupiloten) und Anne-Julchen Bernhard (BeL Sozietät).

Im zweiten BAU-Themenschwerpunkt wird von der Stadt auf das einzelne Gebäude gezoomt: „Mensch und Gebäude“ beleuchtet neuste und praxisrelevante Technologien, die Räume für ihre Nutzer angenehm und sicher gestalten. Hier herausgepickt: Das Hochhaus als städtisches Verdichtungsinstrument Nummer 1 und damit Wohn- und Arbeitsort einer stark wachsenden Anzahl von Menschen. Vielversprechend dazu ist das Forum „Hochhäuser“ mit prominenten Hochhausbauern wie Wolf D. Prix (Coop Himmelb(l)au), Christoph Ingenhoven (ingenhoven architects) und den Architekten des Büros Barkow Leibinger. Aber es geht nicht nur europäisch-bürokratisch zu: Alfredo Brillembourg von Urban Think-Tank berichtet in dem Forum von einem besonders aufregenden Experiment: dem Torre David in Carácas, Venezuela, wo rund 2.500 illegale Bewohner die Rohbauruine des nie fertiggestellten Bürohauses besetzten. Der Architekturbiennale in Venedig war das 2012 einen Goldenen Löwen wert.

Städte und Menschen verschlingen Energie und Ressourcen. Wie das Baugeschehen mit Software, Baustoffen und Technologien zum verantwortlichen Umgang damit beitragen kann, wird im dritten Themenschwerpunkt „Energie und Ressourceneffizienz“ natürlich ebenfalls nicht ausgespart. Und: Ohne Newcomer keine Zukunft des Bauens; einige von ihnen stellt Friederike Meyer (Bauwelt) unter dem Motto „Emerging Stars in Emerging Markets“ vor, (wenn auch die Besetzung verrät, dass „Newcomer“ unter Architekten ein dehnbarer Begriff ist; frische Uniabsolventen sind hier eher nicht zu finden).

Ausstellen und Anschauen

Um das Themenspektrum breit, aber auch möglichst fundiert aufzufächern, geht die BAU eine Vielzahl von Allianzen mit wissenschaftlichen Einrichtungen und anderen Institutionen ein. Einige der Forschungsinstitute präsentieren im Rahmen der Messe ihre Ergebnisse in Sonderschauen, teilweise nehmen sie Bezug auf die Leitthemen der Messe. So etwa die Ausstellung „Demografie goes green. Bauen – Wohnen – Arbeiten“. Die Deutsche Gesellschaft für Gerontotechnik (GGT) zeigt hier modulare Konzepte, die Komfort, Generationengerechtigkeit und Energieeffizienz verbinden und bietet tägliche Führungen durch die Schau an.

Vielversprechend klingt auch die Präsentation „ForschungsWerkStadt. Intelligent Urbanization“ des Zusammenschlusses von 17 Fraunhofer-Instituten, die sich mit ihrer Schau unter anderem dem Wissenstransfer zum Thema Gebäudehüllen widmen. Das preisgekrönte Büro leichtbaukunst zeigt zudem in einer Freiluftausstellung, dass die Möglichkeiten textiler Werkstoffe in der Architektur noch längst nicht ausgeschöpft sind. Mit der Langen Nacht der Architektur zum Messeabschluss am 23. Januar 2015 wird zudem wieder ganz München zum Ausstellungsraum – bis Mitternacht werden wieder zahlreiche Besichtigungen vor Ort angeboten.

(Christina Gräwe)



Unsere Veranstaltungsfavoriten zur BAU 2015:

21. Januar 2015
10.30 – 15.30 Uhr
"Hochhaus-Forum" mit Vorträgen von Wolf D. Prix (Coop Himmelb(l)au), Barkow Leibinger (Barkow Leibinger, Berlin), Christoph Ingenhoven (ingenhoven architects, Düsseldorf), Alfredo Brillembourg (Urban-Think Tank, Zürich)
im Forum C2 "Zukunft des Bauens", Stand 309
22. Januar 2015
16.30 - 17.30 Uhr 
„Intelligent Urbanization“ mit Vorträgen von Riken Yamamoto, Jürgen Mayer H. und anderen,
im Forum C2 "Zukunft des Bauens", Stand 309

23. Januar 2015
18.00 bis 24.00 Uhr
Lange Nacht der Architektur (verschiedene Orte in München)
24. Januar 2015
10.30 - 14.30 Uhr
„Emerging Stars in Emerging Markets“ mit den Bauwelt Preisträgern 2015: June-14 Meyer -Grohbrügge & Chermayeff (Berlin), Assemble Sugarhouse Studios (Stratford) und andere
im Forum C2 "Zukunft des Bauens", Stand 309
24. Januar 2015
14.30 - 16.00 Uhr
"Netzwerk Bauen" mit Vorträgen von An Linh Ngo (ARCH+, Berlin), Susanne Hofmann (Die Baupiloten, Berlin), Anne-Julchen Bernhard (BeL Sozietät, Köln) und anderen,
im Forum A4 "Detail resarch -Building the Future", Stand 338

Das komplette Messeprogramm finden Sie hier:
Zum Veranstaltungskalender der BAU 2015
 


 

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